Wer als Selbstständiger seine Finanzen trennen will, braucht kein kompliziertes System. Drei Konten reichen: Geschäft, Steuer-Rücklage, privat. In diesem Beitrag steht, welches Konto wofür da ist, wie viel auf jedes gehört, wie hoch der Notgroschen auf dem dritten Konto sein sollte, wie ein einfacher Liquiditätsplan den Geldfluss zwischen den Konten steuert, welche Anbieter zu welchem Profil passen — und welche typischen Fehler man in den ersten Monaten vermeidet.
Stand: 30. Oktober 2026
So haben wir recherchiert · Stand 30. Oktober 2026
- Umsatzsteuer-Voranmeldung: § 18 Abs. 2 UStG – monatlich bei mehr als 9.000 € Vorjahres-Umsatzsteuer, sonst vierteljährlich; bis 2.000 € kann das Finanzamt von der Voranmeldung befreien.
- Einkommensteuer-Vorauszahlungen: § 37 EStG – am 10. März, 10. Juni, 10. September und 10. Dezember; festgesetzt erst ab 400 € im Jahr und 100 € je Termin.
- Rücklage-Richtwerte: Einkommensteuer 2026 nach § 32a Abs. 1 EStG selbst berechnet; Gewerbesteuer-Freibetrag 24.500 € (§ 11 GewStG), Anrechnung 4-facher Messbetrag (§ 35 EStG).
- Krankenversicherung: § 241 SGB V allgemeiner Beitragssatz 14,6 %, § 243 SGB V ermäßigt 14,0 % ohne Krankengeldanspruch – jeweils plus kassenindividueller Zusatzbeitrag; Selbstständige tragen den vollen Satz.
- Notgroschen auf Tagesgeld: Einlagensicherung 100.000 € je Einleger und Bank (§ 8 EinSiG); Zinsen unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 % plus Solidaritätszuschlag (§ 32d EStG), steuerfrei bis zum Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € bzw. 2.000 € bei Zusammenveranlagung (§ 20 Abs. 9 EStG).
- Höhe des Notgroschens: 6–12 Monatsfixkosten als redaktionelle Orientierung für schwankende Einkommen – kein gesetzlicher Wert, keine individuelle Empfehlung.
Gesetzestexte abgerufen am 30. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung und ersetzt keine individuelle Steuer-, Anlage- oder Rechtsberatung – bei konkreten Fragen wende dich an eine:n Steuerberater:in oder dein Finanzamt. Mit „Anzeige“/* gekennzeichnete Links sind Affiliate-Links; schließt du darüber ab, erhalten wir ggf. eine Provision – für dich ohne Mehrkosten, ohne Einfluss auf die Einordnung.
Quellen & Stand
- § 18 UStG – Voranmeldung: gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__18.html
- § 19 UStG – Kleinunternehmer: gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__19.html
- § 37 EStG – Vorauszahlungen: gesetze-im-internet.de/estg/__37.html
- § 20 EStG – Sparer-Pauschbetrag: gesetze-im-internet.de/estg/__20.html
- § 32d EStG – Abgeltungsteuer: gesetze-im-internet.de/estg/__32d.html
- § 8 EinSiG – Deckungssumme: gesetze-im-internet.de/einsig/__8.html
- § 241 / § 243 SGB V – Beitragssätze: gesetze-im-internet.de/sgb_5/__241.html, __243.html
Geschäftskonto fürs Drei-Konten-Modell (Anzeige)
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Warum drei Konten?
Ein Konto vermischt geschäftliches und privates Geld. Zwei Konten trennen sie. Drei Konten machen den Steuer-Puffer sichtbar — und damit planbar. Das ist der Unterschied zwischen einer Schätzung im Kopf und einem funktionierenden Cashflow.
Viele Selbstständige fangen mit einem privaten Girokonto an. Kunden überweisen darauf, Steuern werden mit eingerechnet, und am Ende des Quartals stellt sich die Frage, wo das Geld geblieben ist. Das funktioniert eine Weile. Auf Dauer nicht.
Der zweite Schritt ist klassisch: ein Geschäftskonto kommt dazu. Kunden zahlen auf das Geschäftskonto, Betriebsausgaben gehen davon ab, und privat ist privat. Das ist besser. Es löst das eigentliche Problem aber nicht — denn die Steuer-Rücklage liegt entweder auf dem Geschäftskonto (und vermischt sich mit dem operativen Cashflow) oder auf dem Privatkonto (und fühlt sich an wie verfügbares Geld).
Das Setup im Detail
Drei Konten, drei klare Funktionen: ein Geschäftskonto für den operativen Cashflow, ein Steuer-Konto für Rücklagen, ein privates Tagesgeldkonto für Notgroschen und Vermögensaufbau. Jede Transaktion gehört auf genau eines dieser drei.
Konto 1 — Geschäftskonto
Hier kommen alle Einnahmen rein. Hier gehen alle Betriebsausgaben raus. Hier zahlst du dir am Monatsende deinen Unternehmerlohn (Privatentnahme) aus. Was übrig bleibt, wandert in den nächsten Schritt.
Konto 2 — Steuer-Konto (Rücklagenkonto)
Ein Tagesgeldkonto, das ausschließlich für Steuern und Sozialabgaben da ist. Sobald eine Rechnung bezahlt ist, geht ein definierter Anteil sofort auf dieses Konto. Dieses Konto siehst du selten. Genau das ist der Punkt.
Konto 3 — Privates Tagesgeldkonto
Hier landet, was nach Unternehmerlohn und Steuer-Rücklage übrig ist. Zuerst füllt sich darauf der Notgroschen, danach beginnt der Vermögensaufbau für langfristige Ziele. Das ist dein „Ruhe“-Konto — wie hoch die Reserve darauf sein sollte und warum sie nicht ins Depot gehört, steht weiter unten im Abschnitt zum Notgroschen.
Wie viel auf welches Konto?
Ein Richtwert für Solo-Freelancer im mittleren Umsatzbereich: rund 30 % vom Gewinn als Einkommensteuer-Rücklage, der Rest aufgeteilt zwischen Unternehmerlohn und Cashflow-Puffer. Das sind keine festen Zahlen — sie hängen von deinem Gewinn, deinem Familienstand und deiner Sozialversicherung ab.
Bezugsgröße: Gewinn, nicht Umsatz
Die 30 % gelten als Schätzung für die Einkommensteuer auf den Gewinn (Umsatz minus Betriebsausgaben). Die Vorauszahlungen setzt das Finanzamt nach § 37 EStG fest, fällig am 10. März, 10. Juni, 10. September und 10. Dezember.
Welcher Prozentsatz zu deinem Gewinn passt
Die 30 % sind ein Mittelwert; wegen der Progression steigt der passende Anteil mit dem Gewinn. Die Tabelle zeigt die Einkommensteuer 2026 nach dem Grundtarif (§ 32a EStG) für eine alleinstehende Person, ohne Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer:
| Zu versteuerndes Einkommen | Einkommensteuer 2026 | Durchschnittssatz | Rücklage-Richtwert vom Gewinn |
|---|---|---|---|
| 30.000 € | 4.217 € | 14,1 % | 20 % |
| 45.000 € | 8.835 € | 19,6 % | 25 % |
| 60.000 € | 14.233 € | 23,7 % | 30 % |
| 80.000 € | 22.464 € | 28,1 % | 33 % |
| 100.000 € | 30.864 € | 30,9 % | 35 % |
Warum der Aufschlag: Das zu versteuernde Einkommen liegt zwar unter dem Gewinn, weil Kranken- und Rentenbeiträge abgezogen werden. Dafür kommen bei hohen Einkommen Soli und gegebenenfalls Kirchensteuer dazu. Und wer Gewerbetreibender ist statt Freiberufler, zahlt Gewerbesteuer – nach einem Freibetrag von 24.500 € (§ 11 GewStG). Sie wird mit dem Vierfachen des Messbetrags auf die Einkommensteuer angerechnet (§ 35 EStG), bei üblichen Hebesätzen also großteils. Fällig wird sie aber zu eigenen Terminen – deshalb gehört sie trotzdem auf Konto 2.
Besonders knapp wird es im zweiten Jahr: Dann kommen oft die Nachzahlung für das erste Jahr und die erstmals festgesetzten Vorauszahlungen gleichzeitig. Wer im zweiten Jahr deutlich mehr verdient, legt deshalb eine Stufe höher in der Tabelle zurück und lässt die Vorauszahlungen beim Finanzamt anpassen.
Umsatzsteuer separat behandeln
Die in Rechnungen ausgewiesene Umsatzsteuer ist ein durchlaufender Posten — sie gehört dem Finanzamt, nie dir. Sie wird unabhängig von der Einkommensteuer-Rücklage auf das Steuer-Konto gelegt und per Voranmeldung abgeführt: monatlich, wenn die Umsatzsteuer des Vorjahres über 9.000 Euro lag, sonst vierteljährlich; bis 2.000 Euro kann das Finanzamt ganz von der Voranmeldung befreien (§ 18 Abs. 2 UStG). Wie die Voranmeldung praktisch läuft, steht im Beitrag zur EÜR, Umsatzsteuer-Voranmeldung und Rechnung.
Variante: Kleinunternehmer nach § 19 UStG
Wer die Kleinunternehmerregelung nutzt, weist keine Umsatzsteuer aus und führt keine ab. Das Drei-Konten-Modell bleibt trotzdem sinnvoll: Konto 2 erhält nur die Einkommensteuer-Rücklage und den Puffer für Kranken- und Pflegeversicherung. Vorteil: einfacheres Tracking, keine Voranmeldung. Nachteil: Vorsteuer aus Einkäufen ist nicht abziehbar. Welche Umsatzgrenzen gelten und wann sich der Verzicht lohnt, steht im Beitrag zur Kleinunternehmergrenze 2026.
Krankenversicherung gehört in die Rücklage
Der zweite große Posten auf Konto 2 neben der Steuer: die Krankenversicherung. Freiwillig gesetzlich versicherte Selbstständige zahlen den Beitragssatz komplett selbst — den allgemeinen Satz von 14,6 % nach § 241 SGB V oder den ermäßigten Satz von 14,0 % ohne Krankengeldanspruch nach § 243 SGB V, jeweils plus Zusatzbeitrag der Kasse und Pflegeversicherung. Die Kasse setzt den Beitrag zunächst vorläufig fest und rechnet nach dem Steuerbescheid endgültig ab; eine Nachzahlung ist dann kein Sonderfall, sondern eingeplant. Welche Variante für wen passt, vergleicht der Beitrag Krankenversicherung für Selbstständige: PKV oder GKV.
Beispielrechnung Solo-Freelancer
Annahme: Solo-Freelancer, alleinstehend, keine Kinder, kein Rürup, kein Versorgungswerk, keine Gewerbesteuer (Freiberufler). Einkommensteuer als grobe Orientierung 30 % vom Gewinn. Beispielrechnung für eine ausgehende Rechnung über 10.000 € netto bei Umsatzsteuerpflicht (19 %):
| Posten | Betrag | Wohin |
|---|---|---|
| Rechnungs-Brutto | 11.900 € | Eingang Geschäftskonto |
| davon USt (19 %) | 1.900 € | Konto 2 — durchlaufender Posten, an Finanzamt |
| Netto-Honorar | 10.000 € | verbleibt auf Konto 1 |
| ~30 % vom Gewinn (Schätzung Einkommensteuer) | ~3.000 € | Konto 2 — Einkommensteuer-Rücklage |
| Unternehmerlohn (Beispielanteil) | 6.000 € | Konto 3 — privat |
| Cashflow-Puffer | 1.000 € | Konto 1 — operative Liquidität |
Das Beispiel unterstellt Gewinn ≈ Netto-Honorar. Mit echten Betriebsausgaben liegt der Gewinn niedriger und die Rücklage entsprechend auch. Wer die Krankenversicherung auf Konto 2 bündelt, erhöht den Anteil. Genaue Zahlen liefert die Steuerberatung anhand deiner Vorjahresdaten.
Konto 3 füllen: der Notgroschen für Selbstständige
Ein Notgroschen ist eine jederzeit verfügbare Geldreserve, die laufende Fixkosten und private Ausgaben bei Auftragsflaute, Krankheit oder Zahlungsausfall überbrückt. Angestellte haben Lohnfortzahlung und Arbeitslosengeld als Boden; Selbstständigen fehlt er. Fällt ein Großkunde weg oder zahlt verspätet, laufen Miete, Versicherungen und Vorauszahlungen trotzdem weiter — deshalb greift die Faustformel von drei Monatsgehältern hier zu kurz.
Drei Töpfe, die oft verwechselt werden
- Steuerrücklage (Konto 2): kein Notfalltopf, sondern bereits verplantes Geld für Einkommen- und Umsatzsteuer.
- Notgroschen (Konto 3): kurzfristige Engpässe und Reparaturen, in wenigen Tagen verfügbar.
- Notfallfonds und Versicherungen: lange Krisen wie schwere Krankheit oder Geschäftsaufgabe — dafür sind Berufsunfähigkeits- oder Krankentagegeld-Absicherung zuständig, nicht die Reserve.
Wer die Steuerrücklage gedanklich zum Notgroschen zählt, hält sich für liquider, als er ist. Das Drei-Konten-Modell löst genau das: Rücklage auf Konto 2, Reserve auf Konto 3.
Wie hoch: Fixkosten mal sechs bis zwölf, nicht Umsatz
Der häufigste Rechenfehler ist, vom Umsatz auszugehen. Maßgeblich sind die monatlichen Fixkosten, die auch dann weiterlaufen, wenn kein Auftrag reinkommt: Miete oder Rate für Wohnung und Büro, Kranken- und Pflegeversicherung, Software und laufende Geschäftsabos, private Lebenshaltung. Diese Summe mal sechs ergibt eine belastbare Untergrenze; mal zwölf den Puffer für eine längere Auftragsflaute. Vier Stellschrauben schieben die Zahl nach oben: Kinder, Wohneigentum mit Reparaturrisiko, eine saisonale oder stark schwankende Branche und ein Klumpenrisiko aus ein oder zwei Großkunden.
Ein Rechenbeispiel: 3.000 € Fixkosten im Monat × 8 Monate = 24.000 € Zielsumme. Die 8 sind frei gewählt, um die Rechnung zu zeigen — deine Zahl bestimmst du über die Stellschrauben oben. Die Zielsumme ist kein Fixwert: Steigen Miete, Beiträge oder Lebenshaltungskosten, steigt sie mit. Einmal im Jahr gehört sie auf den Prüfstand.
Wo der Notgroschen liegt — und wo nicht
Auf dem Tagesgeldkonto, das Konto 3 ist. Das Guthaben ist täglich abrufbar, schwankt nicht im Wert und ist bis 100.000 Euro je Einleger und Bank durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt (§ 8 EinSiG). Die Zinsen sind Nebeneffekt, nicht Zweck: Sie unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 % plus Solidaritätszuschlag (§ 32d EStG) und bleiben nur bis zum Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro, bei Zusammenveranlagung 2.000 Euro, steuerfrei (§ 20 Abs. 9 EStG). Wer die Reserve bei einer anderen Bank als das Geschäftskonto hält, verteilt zusätzlich das Ausfallrisiko.
Festgeld, ETFs und Aktien sind für die Reserve ungeeignet: Festgeld bindet das Geld über die Laufzeit, und ein Notfall kommt selten zum günstigen Börsenstand — wer dann verkaufen muss, realisiert womöglich im Tief. Das ist keine Aussage gegen ETFs als Anlageform, nur gegen ihre Rolle als Notgroschen. Erst wenn die Reserve steht, gehört Geld für langfristige Ziele ins Depot — die Reihenfolge dafür steht im Beitrag Rürup, ETF, Versorgungswerk — die Reihenfolge.
Aufbauen bei schwankendem Einkommen
Ein starrer Sparbetrag scheitert an schwankenden Einnahmen. Tragfähiger ist ein fester Prozentsatz jeder bezahlten Rechnung, der direkt nach Zahlungseingang auf Konto 3 wandert: In starken Monaten landet automatisch mehr in der Reserve, in schwachen weniger, und die Entscheidung ist aus dem Alltag heraus. Drei Regeln halten das stabil:
- Mini-Reserve zuerst. Bevor die volle Zielsumme ansteht, steht ein kleiner Puffer für die kaputte Technik oder die unerwartete Nachzahlung — damit beim ersten Notfall nicht sofort der Dispo läuft.
- Reihenfolge einhalten. Erst Steuerrücklage auf Konto 2, dann Notgroschen auf Konto 3, erst danach Vermögensaufbau. Wer die Reihenfolge umdreht, finanziert den Notfall später aus dem Depot.
- Warnsignale ernst nehmen. Ein einmal geleerter Puffer ist normal. Ist er mehrere Monate in Folge leer, läuft der Dispo dauerhaft mit oder bleibt in guten Monaten nichts zum Auffüllen, liegt kein Reserve-, sondern ein Strukturproblem vor: Sparrate oder Kostenstruktur sind der Hebel, nicht der Notgroschen.
Den Geldfluss steuern: der Liquiditätsplan
Drei Konten zeigen, wo das Geld liegt. Ein Liquiditätsplan zeigt, ob es zum richtigen Zeitpunkt da ist. Er stellt erwartete Einzahlungen und Auszahlungen Monat für Monat gegenüber und fragt nicht, ob am Jahresende etwas übrig bleibt, sondern ob das Konto in der dritten Juliwoche Miete und Umsatzsteuer-Vorauszahlung gleichzeitig trägt. Eine gestellte Rechnung über 5.000 Euro erhöht den Gewinn sofort — das Geld kommt erst nach 30 oder 60 Tagen. Wer profitabel arbeitet und trotzdem in die Klemme gerät, hat ein Timing-Problem, kein Ertragsproblem.
Was in den Plan gehört
- Einzahlungen: Honorare, Anzahlungen, Erstattungen (etwa Vorsteuer) — eingetragen nach realistischem Zahlungseingang, nicht nach Rechnungsdatum.
- Fixe Auszahlungen: Miete, Versicherungen, Software-Abos, Kreditraten — der Sockel, den jeder Monat decken muss.
- Variable Kosten und Sonderposten: Material, Unteraufträge, Reisekosten — und die Posten, die in keiner Gewinn-und-Verlust-Rechnung als Abfluss auftauchen, im Plan aber stehen müssen: Einkommensteuer-Vorauszahlungen, Umsatzsteuer, Privatentnahme, Rücklagen.
In fünf Schritten aufstellen
- Startwert: der reale Saldo aller Geschäftskonten am Stichtag — Kassenstand, nicht Gewinn aus der BWA.
- Zeitraum: die nächsten zwölf Monate, monatlich; bei knapper Kasse wöchentlich.
- Einzahlungen terminieren: Eine Rechnung mit 30 Tagen Ziel landet erst im Folgemonat im Plan, oft später. Zahlungsverzug bewusst einkalkulieren — etwa mit der Annahme, dass ein Teil der Forderungen erst im Monat danach eingeht.
- Auszahlungen erfassen: Fixkosten, variable Kosten, Privatentnahme und vor allem die Steuertermine: Einkommensteuer-Vorauszahlungen am 10. März, 10. Juni, 10. September und 10. Dezember (§ 37 EStG), Umsatzsteuer-Voranmeldung monatlich oder vierteljährlich (§ 18 UStG), die KV-Nachberechnung nach dem Steuerbescheid.
- Rollierender Saldo: Anfangsbestand + Einzahlungen − Auszahlungen = Endbestand, der zum Startwert der nächsten Periode wird. Rutscht eine Zeile ins Minus, kennst du deinen Liquiditätsbedarf und die Wochen Vorlauf, um zu reagieren.
Werkzeug: Tabelle, Buchhaltungs-Tool oder Cashflow-Software
| Kriterium | Tabelle (Excel/Sheets) | Buchhaltungs-Tool | Cashflow-Software |
|---|---|---|---|
| Aufwand Einrichtung | niedrig | mittel | mittel–hoch |
| Automatisierung | gering (manuell) | mittel (Beleg-Sync) | hoch (Bank-Import, Prognose) |
| Kosten | meist kostenlos | laufend | laufend, höher |
| Skaliert mit | wenigen Posten | regelmäßiger Buchhaltung | vielen Zahlungsströmen |
Für Solo-Freelancer mit überschaubaren Posten genügt die Tabelle; kostenlose Vorlagen gibt es bei den IHKs und Gründungsportalen. Wer viele Belege hat, spart mit einem Tool, das Buchhaltung und Liquidität koppelt, die Doppelpflege — welche Software dafür taugt, vergleicht der Beitrag lexoffice vs. sevdesk. Wer zwei, drei Rechnungen im Monat schreibt, braucht keine Cashflow-Software.
Drei Fehler im Liquiditätsplan — und der Hebel im Engpass
Steuerzahlungen vergessen: Sie fließen oft gebündelt zum Quartalsende ab; eine eigene Zeile „Steuerrücklage“, die den Anteil von Konto 2 spiegelt, löst das. Zahlungseingänge zu optimistisch terminieren: Ein Zahlungsziel von 14 Tagen heißt nicht, dass das Geld nach 14 Tagen da ist. Plan einmal erstellen und nie aktualisieren: Ohne monatlichen Soll-Ist-Abgleich veraltet die Tabelle in wenigen Wochen — erst der Abgleich macht aus ihr ein Frühwarnsystem.
Zeichnet sich eine Unterdeckung ab, gibt es konkrete Stellschrauben: konsequentes Mahnen, kürzere Zahlungsziele oder Skonto für frühe Zahlung, zeitlich gestreckte Investitionen und Entnahmen — und der Notgroschen auf Konto 3, der genau für diesen Fall da ist. Was nicht zu den Hebeln gehört: das Steuer-Konto anzapfen.
Welches Konto bei welchem Anbieter?
Beim Geschäftskonto sind drei Fragen entscheidend: integrierte Buchhaltung ja/nein, eigene IBAN ja/nein, Konditionen für deine Größenordnung. Das Steuer-Konto kann jedes Tagesgeldkonto sein. Das private Tagesgeldkonto auch — Hauptsache es ist getrennt, idealerweise bei einer anderen Bank als das Geschäftskonto.
Wie wir verglichen haben: Berücksichtigt wurden Anbieter mit Sitz oder Banklizenz in der EU, eigener IBAN (DE-/EU-IBAN, kein virtuelles E-Geld-Konstrukt), klarer DSGVO-Doku, deutschsprachigem Support und mindestens einer kostenlosen Tarifvariante für sehr kleine Solo-Setups. Bewertungs-Quellen: Anbieter-Konditionen-Seiten (Stand 05/2026), BaFin-Datenbank Zahlungsinstitute, eigene Erfahrungen sowie Erfahrungsberichte in Freelancer- und Steuerberater-Communities. Keine Rangliste, keine Top-Liste — sondern Eignung pro Profil. Vollständige Methodik: /methodik/.
Kontist
Geschäftskonto mit integrierter Buchhaltung und automatischer Steuerschätzung. Eigene IBAN (DE), geeignet für Solo-Selbstständige im Tech- und Service-Bereich mit moderatem Buchungsvolumen, die ohne separates Buchhaltungs-Tool auskommen wollen. Schwächen: Steuerschätzung ist eine Hilfsfunktion, keine Beratung — eigene Plausibilisierung bleibt nötig.
- Buchhaltung integriert (Belegerfassung, EÜR-Vorbereitung)
- 1 Karte inklusive, weitere kostenpflichtig
- Konditionen Stand 05/2026 — bitte vor Abschluss tagesaktuell prüfen
Zum Anbieter* · Wie wir Anbieter bewerten
Finom
Geschäftskonto mit kostenfreier Tarifvariante und solidem Rechnungstool. Eigene IBAN (EU), geeignet für sehr kleine Solo-Setups, Side-Businesses oder als Zweitkonto. Schwächen: kein integriertes Buchhaltungs-Modul wie bei Kontist — Buchhaltung extern lösen.
- Rechnungstool integriert (Erstellung, Versand, Mahnung)
- 1 Karte inklusive, bis zu 5 möglich
- Konditionen Stand 05/2026 — bitte vor Abschluss tagesaktuell prüfen
Zum Anbieter* · Wie wir Anbieter bewerten
Häufige Fehler beim Drei-Konten-Modell
Die meisten Fehler entstehen nicht beim Aufsetzen, sondern in den ersten drei Monaten. Wer einmal vom Steuer-Konto „kurz was leiht“, hat die Trennung praktisch aufgehoben. Festgeld für die Rücklage und die vergessene KV-Nachzahlung stehen oben bei den Konten; vier weitere Muster:
Steuer-Konto als Puffer benutzen
Die Rücklage bleibt unantastbar. Wer monatlich einen kleinen Betrag zurück aufs Geschäftskonto holt, weil der Cashflow gerade eng ist, hat das System praktisch aufgegeben — das Geld wirkt nur geliehen und fehlt beim nächsten Steuerbescheid. Sinnvoller: den Unternehmerlohn vorübergehend anpassen, den Notgroschen auf Konto 3 nutzen und die Ursachen-Analyse machen (zu wenig Aufträge? zu späte Zahlungen? zu hohe Privatentnahme?).
USt-Anteil im allgemeinen Steuer-Topf vergessen
Die Umsatzsteuer wird je nach Vorjahreswert monatlich oder quartalsweise abgeführt (§ 18 UStG). Wer sie als Teil der Einkommensteuer-Rücklage einkalkuliert, hat sie zum Voranmeldungstermin nicht mehr. Saubere Trennung lohnt sich. Pragmatisch: USt in einem Unter-Tagesgeld-Slot oder als separates Tagesgeldkonto.
Drei Konten bei einer Bank
Es ist bequem für die Übersicht. Aber wenn die Bank ein Problem hat (Insolvenz, Kontosperrung, Systemausfall, IT-Vorfall), trifft es alle drei Konten gleichzeitig. Eine Bank für das Geschäftskonto, eine andere für die Rücklagen ist robuster. Der Mehraufwand ist gering, der Risiko-Schutz hoch.
Privates Konto vergessen
Ohne Konto 3 landet der Unternehmerlohn auf dem Girokonto und ist innerhalb eines Monats verausgabt. Tagesgeld ist hier kein Anlage-Statement, sondern bewusste Reibung zwischen Lohn und Konsum. Ein Klick mehr — ein Impulskauf weniger.
Wann das Modell nicht passt
Drei Konten sind ein Minimum-Setup für Solo-Selbstständige. Wer mit einer GmbH oder UG arbeitet, sitzt strukturell anders: Gesellschaft und Privat sind juristisch getrennt, das Gehalt fließt per Geschäftsführer-Vertrag auf Privat — hier braucht es eine saubere GmbH-Buchhaltung statt eines Konten-Modells. Wer Mitarbeitende hat, braucht meist zusätzlich ein Lohn- und ein Sozialabgaben-Konto. Und wer ein zweites Standbein hat, etwa eine nebenberuflich vermietete Immobilie, fährt mit einem eigenen Konto je Einkommensstrom besser, weil die Steuer-Trennung am Jahresende leichter wird.
Nächste Schritte
- Falls noch kein Geschäftskonto da: eines auswählen. Kriterien stehen oben.
- Tagesgeldkonto für Steuer-Rücklagen bei einer anderen Bank eröffnen, ein zweites als Konto 3 für den Notgroschen.
- Dauerauftrag oder Push-Regel einrichten: Sobald Rechnungs-Eingang verbucht, fließt der definierte Anteil sofort auf Konto 2 — und ein fester Prozentsatz auf Konto 3.
- Erste Beispielrechnung mit den eigenen Vorjahres-Zahlen machen (Gewinn × geschätzte Steuerquote = Rücklagen-Bedarf; Fixkosten × 6 bis 12 = Notgroschen-Ziel).
- Kontostand notieren und die Ein- und Auszahlungen der nächsten drei Monate in eine Tabelle schreiben — mehr braucht der erste Liquiditätsplan nicht.
- Nach 3 Monaten Review: hat die Trennung gehalten? Stimmen Plan und Ist? Wenn nicht — wo war die Lücke?
Häufige Fragen
Wie viel Steuerrücklage sollten Selbstständige bilden?
Als Richtwert 20 bis 35 % vom Gewinn, nicht vom Umsatz – je höher der Gewinn, desto höher der Anteil. Bei 60.000 € zu versteuerndem Einkommen liegt die Einkommensteuer 2026 im Schnitt bei 23,7 %; mit Sicherheitsaufschlag sind 30 % sinnvoll. Die Umsatzsteuer kommt komplett dazu, außer bei Kleinunternehmern.
Wie viel Notgroschen brauchen Selbstständige?
Als Orientierung sechs bis zwölf Monate der privaten und betrieblichen Fixkosten — mehr als die drei Monate, die für Angestellte kursieren, weil keine Lohnfortzahlung und kein Arbeitslosengeld greifen. Entscheidend sind nicht Umsatzzahlen, sondern was monatlich wirklich rausgeht: Miete, Versicherungen, Software, Kranken- und Rentenbeiträge. Wer saisonal arbeitet oder von wenigen Kunden abhängt, plant am oberen Ende der Spanne.
Worin unterscheidet sich der Notgroschen von der Steuerrücklage?
Der Notgroschen gehört dir, die Steuerrücklage gehört faktisch dem Finanzamt. Aus der Rücklage auf Konto 2 zahlst du Einkommensteuer, Umsatzsteuer, Vorauszahlungen und die KV-Nachberechnung; dieses Geld ist verplant, kein Puffer. Der Notgroschen auf Konto 3 federt darüber hinaus echte Notlagen ab. Deshalb liegen beide im Drei-Konten-Modell auf getrennten Konten, damit die Rücklage nie als verfügbar erscheint.
Soll ich meinen Notgroschen in ETFs oder Aktien anlegen?
Nein. Sein Zweck ist Verfügbarkeit ohne Kursrisiko, und genau im Krisenfall können Kurse niedrig stehen und dich zum Verkauf mit Verlust zwingen. ETFs und Aktien eignen sich für langfristiges Vermögen, das du Jahre liegen lassen kannst. Halte beides strikt getrennt: erst der sichere Puffer auf dem Tagesgeldkonto, dann das Investieren mit dem Geld, das darüber hinausgeht.
Wo lege ich den Notgroschen als Selbstständiger am besten an?
Auf ein Tagesgeldkonto mit gesetzlicher Einlagensicherung bis 100.000 Euro je Bank, getrennt vom Geschäftskonto und idealerweise bei einer anderen Bank. Wichtig sind Verfügbarkeit binnen weniger Tage, kein Kursrisiko und keine Kündigungsfristen — Festgeld eignet sich dafür nicht. Zinskonditionen ändern sich laufend; die Zinsen sind bis zum Sparer-Pauschbetrag steuerfrei, darüber fällt Abgeltungsteuer an.
Was ist ein Liquiditätsplan für Selbstständige?
Eine Gegenüberstellung erwarteter Einzahlungen und Auszahlungen über einen festen Zeitraum, meist monatlich für zwölf Monate. Er zeigt, ob jederzeit genug Geld für laufende Zahlungen da ist, und macht Engpässe sichtbar, bevor sie entstehen — etwa wenn Steuervorauszahlung und verspätete Kundenzahlung kollidieren. Anders als die Gewinnermittlung fragt er nach dem Kontostand, nicht nach dem Ertrag.
Wie oft sollte man die Liquiditätsplanung aktualisieren?
Monatlich, bei knapper Liquidität wöchentlich. Sobald reale Zahlen vorliegen, ersetzen sie die Schätzungen — so bleibt der Plan aussagekräftig. Nach größeren Ereignissen wie einem neuen Großauftrag, einer Steuernachzahlung oder einem Kundenausfall lohnt die sofortige Anpassung, statt auf den nächsten Monatsturnus zu warten.
Fazit
Drei Konten, eine Reserve, ein Plan: Das Geschäftskonto trägt den laufenden Betrieb, Konto 2 hält Steuern und Krankenversicherung außer Reichweite, Konto 3 trägt den Notgroschen aus sechs bis zwölf Monatsfixkosten. Der Liquiditätsplan sagt dir, ob die Reihenfolge der Zahlungen aufgeht — nicht ob am Jahresende Gewinn bleibt. Die Grenze gehört dazu: Geld auf dem Tagesgeldkonto bringt kaum Rendite, kein Puffer ersetzt eine Berufsunfähigkeits- oder Krankentagegeld-Absicherung, und ein Plan ist nur so gut wie die Zahlen, die monatlich hineinfließen.
Passend dazu
- Geschäftliches und Privates trennen — warum die Trennung vor der Kontenwahl kommt.
- Betriebsausgaben absetzen — jeder abgesetzte Euro senkt die nötige Rücklage.
- Rürup, ETF, Versorgungswerk — die Reihenfolge — wohin der Überschuss von Konto 3 fließt, wenn der Notgroschen steht.
- Krankenversicherung: PKV oder GKV — der zweite große Posten auf dem Rücklagenkonto.
Hinweis: Dieser Beitrag ist eine Strukturhilfe für Solo-Selbstständige und ersetzt keine individuelle Steuer-, Anlage- oder Rechtsberatung. Konkrete Zahlen, Steuerquoten und Anbieter-Konditionen ändern sich. Für eine verbindliche Berechnung deiner tatsächlichen Steuerlast und Rücklagen-Bedarf führt der Weg über eine zugelassene Steuerberatung. Für Versicherungsschutz ist eine zugelassene Versicherungsmaklerin oder ein zugelassener Versicherungsmakler zuständig. Größere Entscheidungen lassen sich besser mit einer Person besprechen, die deine Situation kennt — nicht nur das Modell.
Transparenz-Hinweis: Dieser Artikel wurde von der kapitalruhe.de Redaktion erstellt und mit Unterstützung von KI-Werkzeugen recherchiert und redaktionell geprüft. Verantwortlich für sämtliche Inhalte ist als natürliche Person der im Impressum genannte Betreiber. Es handelt sich um eine redaktionelle Einordnung, keine Rechtsberatung. Bilder sind Symbolbilder (Pexels/Unsplash, Fotograf:in in der Bildunterschrift).
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