Für die Altersvorsorge von Solo-Selbstständigen zählt die Prüf-Reihenfolge mehr als das einzelne Produkt: erst klären, ob schon eine Pflichtversicherung besteht, dann das Versorgungswerk prüfen, dann die Rürup-Basisrente durchrechnen, zuletzt der freie ETF-Sparplan. Dieser Guide führt durch die vier Stufen — inklusive Versorgungswerk (Pflicht, Befreiung, Beiträge) und Rürup-Rente (Steuerhebel, Nachteile, Abschluss).
Stand: 8. Oktober 2026
Kurz gesagt: Die richtige Reihenfolge
Die Reihenfolge ist wichtiger als das Produkt: Erst der Notgroschen (Liquidität für rund 3–6 Monatsausgaben), dann die existenzielle Absicherung (etwa Berufsunfähigkeit), dann die Altersvorsorge. Innerhalb der Altersvorsorge gilt für Solo-Selbstständige meist: zuerst Pflicht- bzw. Versorgungswerk prüfen, dann Rürup als geförderte Basisrente, danach der freie ETF-Sparplan.
So haben wir recherchiert · Stand 8. Oktober 2026
- Priorisierung: Liquidität → Absicherung → Altersvorsorge – neutrale Faustregel, je nach Situation anders gewichtet.
- Steuer-Basis: Beiträge zu Rürup und Versorgungswerk sind seit 2023 zu 100 % als Sonderausgaben abziehbar, Höchstbetrag = Höchstbeitrag zur knappschaftlichen Rentenversicherung (§ 10 Abs. 3 EStG). 2026: 124.800 € Beitragsbemessungsgrenze × 24,7 % = 30.826 € (Ledige) bzw. 61.652 € (Zusammenveranlagung).
- Nachgelagerte Besteuerung: Der Besteuerungsanteil der Rente hängt vom Jahr des Rentenbeginns ab – 2026: 84 %, danach +0,5 Prozentpunkte pro Jahr, 100 % ab Rentenbeginn 2058 (§ 22 Nr. 1 EStG).
- Versorgungswerk: Befreiung von der gesetzlichen Rentenversicherung nur auf Antrag und nur für die konkrete Tätigkeit (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 SGB VI). ETF-Erträge steuerfrei bis zum Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € (§ 20 Abs. 9 EStG).
- Rein informativ: allgemeine Orientierung, keine personalisierte Anlageberatung. Keine Anbieter- oder Produktnennung.
Gesetzestexte abgerufen am 8. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung und keine Anlage-, Steuer- oder Versicherungsberatung – er ersetzt keine individuelle Beratung; die Eignung hängt vom Einzelfall ab. Mit „Anzeige“/* gekennzeichnete Links sind Affiliate-Links; schließt du darüber ab, erhalten wir ggf. eine Provision – für dich ohne Mehrkosten, ohne Einfluss auf die Einordnung.
Quellen & Stand
- § 10 EStG – Sonderausgaben, Höchstbetrag Altersvorsorge: gesetze-im-internet.de/estg/__10.html
- § 22 EStG – Besteuerungsanteil von Leibrenten: gesetze-im-internet.de/estg/__22.html
- § 4 SVBezGrV 2026 – Beitragsbemessungsgrenze knappschaftliche RV: gesetze-im-internet.de/svbezgrv_2026/__4.html
- § 6 SGB VI – Befreiung von der Versicherungspflicht: gesetze-im-internet.de/sgb_6/__6.html
- § 851c ZPO – Pfändungsschutz bei Altersrenten: gesetze-im-internet.de/zpo/__851c.html
- Deutsche Rentenversicherung – Pflicht, freiwillige Versicherung und Befreiung: deutsche-rentenversicherung.de
- ABV – Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungseinrichtungen: abv.de
Die Prüf-Reihenfolge in zwei Sätzen
Die sinnvolle Reihenfolge für die Altersvorsorge von Solo-Selbstständigen lautet: (0) Pflichtversicherung klären (KSK oder gesetzliche Rentenversicherung), (1) Versorgungswerk prüfen, (2) Rürup-Basisrente durchrechnen, (3) freier ETF-Sparplan. Geprüft wird in dieser Folge — das heißt nicht, dass alle vier Stufen belegt werden. Jede Stufe bekommt eine bewusste Entscheidung, dann geht es zur nächsten.
Solo-Selbstständige haben mehr Altersvorsorge-Optionen als Angestellte — und damit mehr Stellen, an denen man eine Förderung übersieht. Die teurere Frage als „welches Produkt“ ist „in welcher Reihenfolge prüfe ich“. Wer als IT-Freelancer direkt mit einer reinen ETF-Strategie startet, ignoriert oft die staatliche Förderung der Basisrente und — falls anwendbar — die Pflicht- oder Wahlmöglichkeit eines Versorgungswerks oder der gesetzlichen Rente.
Dieser Artikel zeigt die Entscheidungs-Logik, keine Produkte. Es geht um die Reihenfolge, in der du Optionen abklopfst.
Schritt 0: Bist du überhaupt schon pflichtversichert?
Bevor die Wahlmöglichkeiten anfangen, steht die Frage nach einer bestehenden Pflicht. Sie wird in den meisten Reihenfolge-Artikeln unterschlagen — verändert aber alles Folgende.
Wer künstlerisch oder publizistisch selbstständig arbeitet — also viele Designerinnen und Designer, Textschaffende, Fotografinnen, Musikschaffende — ist häufig über die Künstlersozialkasse (KSK) pflichtversichert. Die KSK ist keine eigene Vorsorge, sondern der Zugang zur gesetzlichen Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung; sie übernimmt ungefähr den Arbeitgeberanteil. Wer hier pflichtversichert ist, baut bereits gesetzliche Rentenansprüche auf — das ist die Basis, auf der die weiteren Schritte aufsetzen.
Daneben gibt es Selbstständige mit gesetzlicher Rentenversicherungspflicht auch ohne KSK (etwa bestimmte Lehrende, Pflegekräfte oder Handwerksberufe). Und für alle übrigen besteht die Möglichkeit der freiwilligen gesetzlichen Rentenversicherung. Ob das sinnvoll ist, hängt vom Einzelfall ab — relevant ist hier nur: Diese Schicht existiert und gehört vor das Versorgungswerk geklärt. Die Deutsche Rentenversicherung gibt dazu kostenlose Auskunft.
Schritt 1: Greift ein Versorgungswerk?
Berufsständische Versorgungswerke sind die Pflicht-Altersvorsorge für verkammerte Freie Berufe: Ärztinnen und Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Apotheker, Rechtsanwältinnen und -anwälte, Notare, Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung, Architektinnen und Architekten, beratende Ingenieure, Psychotherapeuten. Sie sind landesrechtlich organisiert, getrennt von der gesetzlichen Rentenversicherung, und decken meist Alters-, Berufsunfähigkeits- und Hinterbliebenenrente ab. Ob die Pflicht greift, hängt von Kammer-Mitgliedschaft und Bundesland ab; der Blick ins Kammergesetz des jeweiligen Landes klärt den Einzelfall.
Für die meisten IT-Freelancer, Beraterinnen und Berater, Marketing-Selbstständige und Textschaffende ist das Versorgungswerk nicht zugänglich. Dann überspringst du diesen Schritt mit der Notiz „kein Versorgungswerk“.
Pflichtmitgliedschaft und Befreiung von der gesetzlichen Rente
Mit der Zulassung zur Kammer entsteht die Mitgliedschaft im zugehörigen Versorgungswerk in aller Regel automatisch, ohne eigenen Antrag. Was nicht automatisch läuft, ist die Befreiung von der gesetzlichen Rentenversicherung: Sie muss nach § 6 Abs. 1 Nr. 1 SGB VI bei der Deutschen Rentenversicherung beantragt werden und gilt tätigkeitsbezogen — für die konkrete Beschäftigung oder selbstständige Tätigkeit, nicht pauschal. Wer zwischen Selbstständigkeit und Anstellung wechselt, braucht für die neue Tätigkeit oft einen neuen Antrag; sonst laufen Beiträge in zwei Systeme parallel. Fristen und Voraussetzungen direkt bei Versorgungswerk und DRV prüfen.
Beiträge: Regelbeitrag, Einkommensstaffel, Gründungsphase
Viele Werke orientieren ihren Regelbeitrag am Höchstbeitrag der gesetzlichen Rentenversicherung, andere setzen eigene Maßstäbe; maßgeblich ist das Berufseinkommen, oft mit einkommensabhängiger Staffel und einem Mindestbeitrag als Untergrenze. In den ersten Berufsjahren bieten zahlreiche Werke einen abgesenkten Beitrag an — das schont die Liquidität, senkt aber die spätere Rente. Freiwillige Mehrzahlungen können sich bei hoher Steuerlast lohnen, weil sie wie Rürup-Beiträge als Sonderausgaben abziehbar sind; wer dagegen noch keinen Notgroschen hat, hält Flexibilität vor. Den konkreten Satz regelt die Satzung des jeweiligen Werks, pauschale Eurobeträge führen hier in die Irre.
Rente, Risiken, Weiterarbeit
Eine pauschale Rentenformel gibt es nicht: Manche Werke rechnen nach dem Anwartschaftsdeckungsverfahren (jeder Beitrag erwirbt einen festen Rentenbaustein), andere nach dem offenen Deckungsplanverfahren. Verlässliche Zahlen liefert die jährliche Renteninformation des eigenen Werks, kein Online-Rechner. Niedrigzins und Demografie drücken auf künftige Leistungen; häufiger als Kürzungen ist eine abflachende Dynamik. Anwartschaften bleiben bei Berufswechsel oder Umzug ins Ausland erhalten, lassen sich aber selten übertragen. Im Ruhestand fallen auf die Versorgungswerk-Rente Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge an; eine starre Hinzuverdienstgrenze gibt es meist nicht — beides regelt die Satzung.
Ein oft übersehener Punkt: Viele Versorgungswerke liefern Berufsunfähigkeits- und Hinterbliebenenschutz mit — ein Rürup-Vertrag tut das nicht automatisch. Dazu gleich mehr in der Vergleichstabelle.
Prüfung in drei Schritten: (1) Gehört dein Beruf zu den verkammerten Freien Berufen? (2) Welches Bundesland ist zuständig (Sitz von Praxis oder Kanzlei)? (3) Über die ABV (abv.de) das Werk finden und Satzung, Beitragsstaffel und Rentenauskunft anfordern.
Schritt 2: Rürup als Basisrente — und die Frage nach dem ETF-Motor
Rürup (offiziell: Basisrente) ist die staatlich geförderte Altersvorsorge speziell für Selbstständige ohne gesetzliche Pflichtversicherung. Drei Phasen entscheiden, wie sie wirkt: Du zahlst ein, der Fiskus fördert über den Sonderausgabenabzug, später fließt eine lebenslange Rente. Beiträge sind seit dem Veranlagungszeitraum 2023 vollständig als Sonderausgaben absetzbar — bis zur jährlichen Höchstgrenze nach § 10 Abs. 3 EStG. Das senkt die Steuerlast im Beitragsjahr spürbar. Die Kehrseite: lebenslange Rente, keine Kapitalauszahlung, nur eingeschränkte Vererbbarkeit.
In der Ansparphase bist du bei der Höhe weitgehend frei: monatliche Beiträge, jährliche Zuzahlungen oder eine größere Einmalzahlung — etwa zum Jahresende, wenn ein Geschäftsjahr besonders gut lief. Für Selbstständige mit schwankenden Einnahmen passt das oft besser als ein starrer Sparplan; Voraussetzung ist ein Tarif mit Zuzahlungsoption. Riester (Zulagen für Pflichtversicherte) und betriebliche Altersvorsorge (über den Arbeitgeber) stehen Selbstständigen meist nicht offen — die Basisrente schließt genau diese Lücke.
Worauf die Steuer-Rechnung beruht
- Rechtsgrundlage Beitragsseite: § 10 Abs. 1 Nr. 2 lit. b und Abs. 3 EStG. Die volle Absetzbarkeit (100 %) ab VZ 2023 kam durch das Jahressteuergesetz 2022 — vorgezogen von ursprünglich 2025.
- Höchstbetrag: gekoppelt an den Höchstbeitrag zur knappschaftlichen Rentenversicherung und jährlich angepasst. 2026 sind das 124.800 € Beitragsbemessungsgrenze × 24,7 % = 30.826 € (Ledige), bei Zusammenveranlagung 61.652 €. Beiträge zu gesetzlicher Rente und Versorgungswerk zählen auf denselben Höchstbetrag.
- Rechtsgrundlage Auszahlungsseite: Das Wachstumschancengesetz betraf nicht die Absetzbarkeit, sondern die nachgelagerte Besteuerung. Es verlangsamte den jährlichen Anstieg des Besteuerungsanteils (0,5 statt 1 Prozentpunkt pro Jahr): Rentenbeginn 2026 = 84 % steuerpflichtig, 100 % erst für Renteneintritte ab 2058 (§ 22 Nr. 1 EStG). Beide Gesetze werden in vielen Texten vermischt — sie betreffen unterschiedliche Seiten der Rechnung.
- Mechanik: Die Steuerersparnis entspricht ungefähr dem persönlichen Grenzsteuersatz mal dem absetzbaren Beitrag. Bei einem Grenzsteuersatz von 40 % und 6.000 € Beitrag ergibt sich rechnerisch rund 2.400 € Ersparnis im Beitragsjahr — illustrativ, nicht als Versprechen. Eine feste Einkommensschwelle, ab der sich Rürup „lohnt“, gibt es nicht; je höher und stabiler das zu versteuernde Einkommen, desto eher trägt sich der Vertrag.
- Gegenrechnung: In der Auszahlungsphase wird die Rente nachgelagert besteuert (siehe oben). Ob Rürup unterm Strich aufgeht, hängt vom heutigen gegenüber dem erwarteten Steuersatz, der Lebenserwartung, der Liquiditätsplanung und den Vertragskosten ab.
Diese Werte gehören in eine Modellrechnung mit der Steuerberatung — pauschal lässt sich „lohnt sich“ nicht beantworten. Wer im Ruhestand voraussichtlich einen niedrigeren Steuersatz hat als heute, profitiert tendenziell mehr.
Die Nachteile, die selten im Werbetext stehen
- Keine Kündigung, keine Kapitalauszahlung. Eine klassische Kündigung mit Rückzahlung des Guthabens gibt es nicht; möglich sind nur Beitragsfreistellung (der Vertrag ruht) oder ein Anbieterwechsel. Das Kapital fließt ausschließlich als lebenslange monatliche Rente, ein Kapitalwahlrecht existiert systembedingt nicht (Fördervoraussetzung nach § 10 Abs. 1 Nr. 2 lit. b EStG).
- Vererbbarkeit nur mit Zusatzbaustein. Stirbt die versicherte Person, erhalten Hinterbliebene nur dann etwas, wenn eine Hinterbliebenenrente vereinbart wurde — und die kostet zusätzlich.
- Kosten. Abschluss- und Verwaltungskosten schmälern die spätere Rente direkt; die Effektivkostenquote entscheidet, wie viel Kapital tatsächlich arbeitet.
- Dafür: Pfändungsschutz. Ansprüche aus Verträgen, die die Voraussetzungen des § 851c ZPO erfüllen, dürfen nur wie Arbeitseinkommen gepfändet werden — für Selbstständige mit Haftungsrisiko ein echtes Argument.
Die Wenn-dann-Logik: hoher Steuersatz, stabile Einkünfte, Geld bis zur Rente entbehrlich — dann kann Rürup tragen. Bei schwankenden Einnahmen oder hohem Flexibilitätsbedarf wiegt die fehlende Verfügbarkeit meist schwerer als der Steuervorteil.
Rürup mit ETF-Motor (fondsgebundene Basisrente)
Hier liegt das Missverständnis, das viele Suchanfragen auslöst: Rürup und ETF sind kein Entweder-oder. Es gibt fondsgebundene Basisrenten, deren Sparanteil in ETFs investiert wird. Du bekommst also die Rürup-Steuerförderung und einen ETF als Anlagemotor in einem Vertrag.
Klingt nach dem Besten aus beiden Welten — die Einschränkungen bleiben aber bestehen und kommen teils dazu:
- Versicherungsmantel kostet. Über der ETF-Kostenquote liegt die Kostenstruktur des Vertrags (Abschluss, Verwaltung). Der günstige TER eines freien ETF wird durch den Mantel relativiert.
- Eingeschränkte Fondsauswahl. Du wählst aus dem, was der Tarif anbietet — nicht aus dem gesamten ETF-Markt.
- Keine Kapitalverfügung, trotz ETF. Auch im fondsgebundenen Rürup gilt: lebenslange Rente, keine freie Entnahme, eingeschränkte Vererbbarkeit. Der ETF im Inneren ändert daran nichts.
Die häufige Frage „Welcher ETF-Rürup ist der beste?“ ist Anlageberatung und wird hier bewusst nicht mit einem Produkt beantwortet. Die Entscheidungslogik dahinter lässt sich aber benennen: Ein fondsgebundener Rürup passt eher, wenn Anlagehorizont, Risikotragfähigkeit und Kostenstruktur zusammenpassen — also langer Horizont, Toleranz für Schwankungen und ein Tarif, dessen Kosten den ETF-Vorteil nicht auffressen. Klassische Tarife setzen dagegen auf eine garantierte Verzinsung. Ob das im Einzelfall trägt, gehört in die Honorarberatung.
Vor der Unterschrift: Rechner, Vergleich, Beratung
Ein Schnellabschluss ist selten die günstigste Lösung, weil sich Kostenunterschiede erst im Vergleich zeigen. Der Dreischritt: (1) Rürup-Rechner für die Überschlagsrechnung aus Beitrag, Steuervorteil und möglicher Rente, (2) Tarifvergleich mehrerer Anbieter mit Blick auf die Effektivkostenquote, (3) bei komplexer Einkommenslage eine unabhängige Beratung. Typische Fehler: Beiträge, die die Liquidität überfordern, und ignorierte Kostenquoten.
Versorgungswerk, Rürup und freier ETF im direkten Vergleich
| Merkmal | Versorgungswerk | Rürup / Basisrente | Freier ETF-Sparplan |
|---|---|---|---|
| Steuerliche Behandlung Beiträge | wie gesetzliche RV, Sonderausgabe | Sonderausgabe (§ 10 EStG) | keine Förderung in der Einzahlung |
| Verfügbarkeit des Kapitals | gebunden, rentenförmig | gebunden, rentenförmig | jederzeit frei verfügbar |
| BU-/Hinterbliebenenschutz | oft enthalten | nicht automatisch, separat nötig | nicht enthalten |
| Vererbbarkeit | eingeschränkt | eingeschränkt | voll vererbbar |
| Auszahlung | lebenslange Rente | lebenslange Rente | frei wählbar (Entnahme/Verkauf) |
| Finanzierung | kapitalgedeckt oder mischfinanziert | kapitalgedeckt (Versicherungsvertrag) | Depot, eigenes Vermögen |
Steuerlich werden Versorgungswerk und Rürup ähnlich behandelt. Der praktische Unterschied liegt woanders: Ein Versorgungswerk bringt den Risikoschutz häufig mit, beim Rürup musst du Berufsunfähigkeit und Hinterbliebenenabsicherung separat denken — und bezahlen.
Schritt 3: ETF-Sparplan als freie Vermögensbildung
Nach Pflichtschicht, Versorgungswerk und gegebenenfalls Rürup kommt die freie Vermögensbildung — typischerweise über breit gestreute ETFs in einem Depot bei einer Direktbank oder einem Neobroker. Ziel ist hier bewusst das Gegenteil der Rürup-Logik: Vermögen, das flexibel verfügbar und voll vererbbar ist.
Drei Grundregeln für die ETF-Komponente:
- Breit gestreut. Ein Welt-Index wie MSCI World oder FTSE All-World als Kern, optional ergänzt um Emerging Markets. Themen-ETFs gehören nicht in den Kern.
- Niedrige Kosten. Auf die laufende Kostenquote (TER) achten; für die großen Welt-Indizes gibt es mehrere ETFs im sehr günstigen Bereich.
- Langer Horizont. Mindestens zehn Jahre. Geld, das in drei Jahren gebraucht wird, gehört nicht in Aktien-ETFs.
Wichtige Grenze: An dieser Stelle nennt Kapitalruhe keine konkreten ETFs. Die Auswahl eines bestimmten Produkts ist Anlageberatung — dafür sind eine unabhängige Honorarberatung oder eigene Recherche zuständig. Hier geht es um die Reihenfolge, nicht um die Produktliste. Wie der Sparplan konkret aufgesetzt wird, steht im ETF-Sparplan für Selbstständige.
Was die Reihenfolge konkret bedeutet
Die Stufen werden nacheinander abgearbeitet, und an jeder fällt eine bewusste Entscheidung:
- Start der Selbstständigkeit: Pflicht klären — KSK-pflichtig? Gesetzlich pflicht- oder freiwillig versichert? Festhalten, was gilt.
- Jahr 1: Versorgungswerk prüfen, ggf. eintreten und die DRV-Befreiung beantragen. Wenn nicht anwendbar: Notiz „kein Versorgungswerk“, weiter.
- Jahr 1–2: Termin mit der Steuerberatung, Frage: „Rürup sinnvoll für mein Profil — und falls ja, klassisch oder fondsgebunden?“ Wenn ja, Vertrag bei einem etablierten Anbieter; BU/Hinterbliebene separat mitdenken. Wenn nein: Notiz „bewusst gegen Rürup“, weiter.
- Ab Jahr 2: ETF-Sparplan bei einem etablierten Anbieter (Direktbanken oder Neobroker). Die monatliche Rate richtet sich nach Cashflow und bereits gebundenem Rürup-Beitrag.
Die Reihenfolge heißt nicht „du musst alle vier Schichten füllen“. Sie heißt: du prüfst alle vier in dieser Folge und entscheidest jede bewusst. „Bewusst gegen Rürup“ ist eine gute Antwort. „Hab ich noch nicht durchdacht“ ist keine.
Wie viel monatlich überhaupt in die Vorsorge fließen kann, ergibt sich aus dem laufenden Geldfluss. Wer die Trennung zwischen Steuer-, Puffer- und Privatgeld sauber aufsetzt, sieht die freie Rate klarer — dazu passt das Drei-Konten-Modell für Selbstständige.
Häufige Fragen
Für wen ist die Rürup-Rente geeignet?
Die Rürup-Rente eignet sich vor allem für Selbstständige und Freiberufler ohne gesetzliche Pflichtversicherung. Sinnvoll ist sie meist bei stabilem, höherem Einkommen, das den Steuervorteil nutzbar macht. Wer früh flexibel bleiben möchte, sollte Alternativen prüfen.
Kann man die Rürup-Rente kündigen oder sich auszahlen lassen?
Nein, die Rürup-Rente lässt sich weder kündigen noch als Kapital auszahlen — das schließt § 10 Abs. 1 Nr. 2 EStG als Fördervoraussetzung aus. Möglich ist nur eine Beitragsfreistellung, bei der das Guthaben bis zur Rente liegen bleibt. Ein Anbieterwechsel ist teils machbar.
Ist eine Einmalzahlung in die Rürup-Rente möglich?
Ja, Einmalzahlungen sind möglich und steuerlich oft attraktiv — etwa zum Jahresende bei hohem Gewinn. Beiträge zählen 2026 voll als Sonderausgaben, begrenzt durch den Höchstbetrag von 30.826 € (Ledige) bzw. 61.652 € (Zusammenveranlagung). Tarife mit Zuzahlungsoption sind dafür Voraussetzung.
Wer darf ins Versorgungswerk?
Zugang haben Angehörige verkammerter Freier Berufe, etwa Ärzte, Apotheker, Rechtsanwälte, Steuerberater, Architekten oder beratende Ingenieure. Die Pflichtmitgliedschaft entsteht meist automatisch mit der Kammeraufnahme, unabhängig davon, ob angestellt oder selbstständig gearbeitet wird. Ohne Kammerzugehörigkeit ist kein Beitritt möglich.
Kann ich gleichzeitig im Versorgungswerk und in der gesetzlichen Rentenversicherung sein?
Ja, beide Ansprüche können nebeneinander bestehen. Wer in einem Kammerberuf arbeitet, kann sich auf Antrag nach § 6 Abs. 1 Nr. 1 SGB VI von der gesetzlichen Rentenversicherung befreien lassen — die Befreiung gilt nur für die konkrete Tätigkeit. Frühere Beschäftigungen erzeugen teils trotzdem eigene gesetzliche Anwartschaften.
Lohnen sich freiwillige Beiträge zum Versorgungswerk?
Freiwillige Mehrbeiträge können sich lohnen: Sie erhöhen die spätere Rente und sind als Altersvorsorgeaufwendungen bis zum Höchstbetrag nach § 10 Abs. 3 EStG abziehbar. Ob sie sinnvoller sind als ETF oder Rürup, hängt von Rendite, Flexibilitätswunsch und Steuersatz ab.
Was passiert mit dem Versorgungswerk bei Berufswechsel oder Umzug ins Ausland?
Erworbene Anwartschaften bleiben in der Regel erhalten und verfallen weder bei Berufswechsel noch bei Umzug ins Ausland. Beiträge ruhen dann meist, eine Beitragserstattung ist nur in engen Ausnahmen möglich. Die Einzelheiten regelt die Satzung des jeweiligen Werks.
Welche Altersvorsorge ist die beste für Selbstständige?
Eine pauschal beste Altersvorsorge für Selbstständige gibt es nicht. Verkammerte Freiberufler haben das Versorgungswerk als Pflichtbasis, alle anderen prüfen in dieser Reihenfolge: Pflichtversicherung, Rürup, freier ETF-Sparplan. Entscheidend sind Steuersatz, Einkommensstabilität und der Wunsch nach Flexibilität.
Wichtig
Dieser Artikel ist eine Strukturhilfe, keine Anlage- oder Steuerberatung und ersetzt diese nicht. Welche konkreten Produkte (Rürup-Anbieter, ETFs, Versorgungswerks- oder RV-Optionen) zur eigenen Situation passen, hängt von Lebenslage, Risikoprofil und Zielen ab. Die steuerlichen Aussagen geben den Rechtsstand zum genannten Datum wieder; Höchstgrenzen und Besteuerungsanteile ändern sich jährlich, Satzungen der Versorgungswerke ebenfalls. Für eine verbindliche Empfehlung sind eine unabhängige Honorarberatung, eine zugelassene Vermittlerin nach § 34d bzw. § 34f GewO oder die Steuerberatung die richtigen Ansprechpartner.
Quellen
- § 10 Abs. 1 Nr. 2 lit. b und Abs. 3 EStG — Sonderausgabenabzug Altersvorsorge, Höchstbetrag, Fördervoraussetzungen der Basisrente
- § 22 Nr. 1 EStG — Besteuerungsanteil von Leibrenten nach Rentenbeginn-Jahr (Fassung Wachstumschancengesetz)
- § 4 Sozialversicherungs-Rechengrößenverordnung 2026 — Beitragsbemessungsgrenze knappschaftliche Rentenversicherung 124.800 €; Beitragssatzverordnung 2018 — 24,7 %
- § 6 Abs. 1 Nr. 1 SGB VI — Befreiung berufsständisch Versorgter von der Rentenversicherungspflicht
- § 851c ZPO — Pfändungsschutz bei Altersrenten
- Deutsche Rentenversicherung (deutsche-rentenversicherung.de) — Pflicht, freiwillige Versicherung und Befreiung für Selbstständige
- Künstlersozialkasse (kuenstlersozialkasse.de) — Versicherungspflicht für Kunst- und Publizistikberufe
- ABV (abv.de) — Mitgliedsberufe und Übersicht der berufsständischen Versorgungswerke
Passend dazu
- ETF-Sparplan für Selbstständige → — Schritt 3 im Detail.
- Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige → — die Absicherung vor der Altersvorsorge.
- Das Drei-Konten-Modell für Selbstständige → — Notgroschen und freie Vorsorge-Rate.
- Krankenversicherung: PKV oder GKV? → — die zweite Pflichtfrage neben der Rente.
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Stand: 8. Oktober 2026